Modulhandbuch für den Studiengang
Master of Science (Informatik)
Wintersemester 2011

Vorwort

Der Abschluss Master of Science Informatik (M.Sc.) ist der zweite berufsqualifizierende akademische Abschluss des Informatik-Studiums am Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik (MNI) der FH Gießen-Friedberg und baut konsekutiv auf dem B.Sc. Informatik auf. Der Master-Grad befähigt zur wissenschaftlichen Forschung und zu Strategie- und Führungsaufgaben im Bereich softwareorientierter Aufgaben. Das besondere Profil des Masterstudiengangs im Vergleich zu den anderen hessischen Fachhochschulen ist die Konzentration auf die Allgemeinen Informatik mit dem Fokus auf Software Engineering.

Auch das Masterprogramm gliedert sich, entsprechend der Vorgaben der GI, in folgende vier Bereiche:

Inhaltlich ist das M.Sc.-Studium auf drei Säulen aufgebaut:

Hinzu kommen weiterführende allgemeine Module (PGV und ENG2) und insbesondere Module aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich (UF, VM und PQ), die speziell auf die nicht-informatikspezifischen Tätigkeiten während des Projektes und der Master-Arbeit vorbereiten. Zusätzlich haben die Studierenden bei zwei Wahlpflicht-Modulen völlige Wahlfreiheit und können Module aus dem gesamten Spektrum der Hochschule, aber auch der Universität Gießen belegen.

Die drei Säulen münden im 3. Semester in ein Entwicklungsprojekt. In diesem Entwicklungsprojekt müssen die Studierenden in realen Projekten zeigen, dass sie das bisher Erlernte wissenschaftlich fundiert in der Praxis anwenden können. In diesen Projekten ist nicht nur die Anwendung von Wissen, Methoden und Techniken der Softwaretechnik einzusetzen, sondern auch die soziale Komponente bei der Organisation einer Gruppe im Sinne der Kommunikationsfähigkeit und der Urteilsbildung zu beweisen. Die Kombination aus Wissenschaft und praktischer Anwendung im Master-Programm stellt eine Innovation dar. Durch die enge Anbindung an aktuelle Forschungsprojekte können die Studierenden ihre theoretisch-analytischen Fähigkeiten entfalten. Durch Förderung einer interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungskompetenz wird die Grundlage für eine spätere wissenschaftliche Tätigkeit gelegt.

Zu Beginn ihres Masterstudiums entscheiden sich die Studierenden für ein Thema eines Entwicklungsprojekts. Durch die betreuende Professorin oder den betreuenden Professor (Mentorin bzw. Mentor) des Entwicklungsprojekts werden die Studierenden bei der Planung des Studiums, insbesondere der Auswahl der Wahlpflicht-Module, unterstützt. Dadurch kann ein Studienplan gewählt werden, der die individuellen Vorkenntnisse berücksichtigt und damit optimal auf das gewählte Entwicklungsprojekt vorbereitet. Das anwendungsorientierte Studium soll die Studierenden dazu befähigen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu erarbeiten und sie anwendungsbezogen einzusetzen. In besonderem Maße wird beim M.Sc. Studiengang auf die wissenschaftliche Basis Wert gelegt.

Das Entwicklungsprojekt, als ein wesentlicher Schwerpunkt des Master-Programms, erlaubt den sehr intensiven und fachlich schon sehr tiefen Kontakt mit Wirtschaftsunternehmen, der durch die Master-Arbeit weiter vertieft werden soll. Das Entwicklungsprojekt macht damit den Kern des Master-Studiums aus und bildet zugleich die Grundlage für die Master-Arbeit, in der die Studierenden ihre Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten und zur Anwendung der Grundlagen auf aktuelle Problemstellungen der Entwicklung und Nutzung moderner Softwaresysteme unter Beweis stellen.

Das Entwicklungsprojekt zielt darauf ab, den Studierenden die Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Die Themenstellung wird als Entwicklungsaufgabe von einem externen Partner übernommen oder spiegelt eine praxisrelevante F&E-Aufgabe wider.

Die Studierenden sollen im Entwicklungsprojekt

Anwendungsdomänen

Der Wahlpflichtbereich wird durch inhaltlich zusammenhängende Teilbereiche nochmals gegliedert. Im folgenden sind exemplarisch die geplanten Anwendungsdomänen aufgeführt. Zusammen mit dem Pflichtprogramm ergeben sich daraus 3 konkrete Studienpläne als Orientierung für die Studierenden.

Die Anwendungsdomänen im Master-Studiengang orientieren sich an den wissenschaftlichen Entwicklungen und werden entsprechend ausgewählt und angeboten. Mit den Vertiefungen wird der allgemeinen Informatik ein spezielles softwaremethodisches Profil gegeben.

Abb. Aufbau der Module in der Anwendungsdomäne

Folgende Anwendungsdomänen können, je nach Nachfrage und Angebot, gewählt werden:

Alle Anwendungsdomänen werden durch folgende Module inhaltlich definiert:

Anwendungsdomäne: Business Information Systems

Ziel der Anwendungsdomäne Business Information Systems ist es, die Studierenden des Masterstudiengangs vertieft in den Bereich der Entwicklung betrieblicher Informationssysteme, insbesondere von Standardsoftware-Systemen, in Theorie und Praxis anwendungsorientiert einzuführen. Die Absolventen und Absolventinnen sind somit in der Lage, in allen Phasen der Erstellung dieser Systeme (Analyse, Entwurf, Implementierung, Test, Einführung und Wartung) tätig zu werden. Hierzu gehören neben der Entwicklung neuer betrieblicher Informationssysteme auch die Anpassung und das Customizing bestehender Lösungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, im Besonderen auch von kommerzieller Standardsoftware.

Das Masterstudium mit der Vertiefungsrichtung Business Information Systems wird durch eine Masterarbeit aus dem Bereich der Wirtschaftsinformatik im 4. Semester abgeschlossen. Als Entwicklungsprojekt ist von den Studierenden im 3. Semester ein Wirtschaftsinformatikprojekt zu belegen, das von einem Wirtschaftsinformatik-Seminar begleitet wird.

Als Wahlpflichtmodule des Schwerpunktes sind in den ersten drei Semestern je ein Modul aus dem eigenständigen Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik zu wählen.

Aufgrund der entwicklungsnahen Ausrichtung des betrieblichen Vertiefungsschwerpunktes werden folgende Module empfohlen:

Alternativ dazu:

Ergänzt werden diese Schwerpunkt-Wahlpflichtmodule durch Wahlpflichtmodule aus dem allgemeinen Informatik-Wahlpflichtkatalog.

Anwendungsdomäne: Technische Systeme

In der Anwendungsdomäne Technische Systeme ist das Ziel die Befähigung zur Entwicklung von Softwareanwendungen mit technisch-naturwissenschaftlichen Inhalten.

Typische Anwendungsfelder sind hier z.B. Robotik, Fertigungsindustrie, Automobilbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Steuerung- und Regelungstechnik, Anlagenbau, Gerätebau, Kommunikationsgeräte, Multimediageräte, Geräte der Informationstechnik usw.

Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Anwendungen für stationäre und mobile Robotersysteme und Eingebettete Systeme (Embedded Systems).

Die Studierenden sollen befähigt werden, die Aufgabe des Softwarearchitekten und des Softwareingenieurs in interdisziplinären Arbeitsgruppen aus den unterschiedlichen Ingenieur- und Naturwissenschaftsdisziplinen wahrzunehmen, d.h. die Verantwortung für den kompletten Softwareentwicklungszyklus im Rahmen einer komplexen Produktentwicklung zu tragen.

Konkret werden Kenntnisse vermittelt in den Bereichen

Entsprechend dieser Inhalte ergeben sich die Domänen-Veranstaltungen:

Anwendungsdomäne: Media Engineering

Ziel dieser Anwendungsdomäne ist die Umsetzung softwaretechnischer Methoden und Verfahren bei der Entwicklung von Web-Anwendungen mit multimedialen Inhalten. Dabei werden technische, gestalterische und inhaltliche Aspekte gleichermaßen behandelt.

Konkret werden Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt in den Bereichen:

Entsprechend dieser Inhalte ergeben sich die vier Domänen-Veranstaltungen:

Web-Media führt in die technischen Grundlagen von Perzeptionsmedien und deren Darstellung ein. Dabei werden die theoretischen, physikalischen und technischen Grundlagen bei der Erfassung, Bearbeitung und Darstellung von Perzeptionsmedien und deren praktische Integration in eine konkrete Web-Umgebung mit Hilfe eines Content-Mangement-Systems vermittelt.

Web-Engineering erweitert die technischen Fähigkeiten innerhalb des Content-Mangement-Systems und verallgemeinert diese in Hinblick auf Web-Anwendungssysteme, wie Portale, Auktionsbörsen und E-Shops.

Begleitet wird das Modul durch Technikkommunikation. Dieses Modul vermittelt die gestalterischen Grundlagen und führt in die Strukturierung und Umsetzung technischer Inhalte durch textuelle und multimediale Mittel ein.

Schließlich vertieft das Modul Web-Applications die programmiertechnischen Inhalte um Kenntnisse im Bereich performanter, hochverfügbarer und sicherer Web-Anwendungen. Am Beispiel eines lastbalancierten Web-Clusters für ein Unternehmens-Portal werden qualitätssichernde Maßnahmen, wie Last- und Performance-Test, Fernadministrierung und SLA-Monitoring (Service-Level-Agreement) erläutert und praktisch erprobt.

Wie jede Anwendungsdomäne werden die speziellen Kenntnisse durch ein Hauptseminar, ein Entwicklungsprojekt und schließlich die Masterarbeit vertieft und praktisch umgesetzt.