Vorwort
Der Abschluss Master of Science Informatik (M.Sc.) ist der zweite
berufsqualifizierende akademische Abschluss des Informatik-Studiums am
Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik (MNI) der
FH Gießen-Friedberg und baut konsekutiv auf dem B.Sc. Informatik auf.
Der Master-Grad befähigt zur wissenschaftlichen Forschung und zu
Strategie- und Führungsaufgaben im Bereich softwareorientierter Aufgaben.
Das besondere Profil des Masterstudiengangs im Vergleich zu den anderen
hessischen Fachhochschulen ist die Konzentration auf die
Allgemeinen Informatik
mit dem Fokus auf Software Engineering
.
Auch das Masterprogramm gliedert sich, entsprechend der Vorgaben der GI, in folgende vier Bereiche:
- Allgemeinen Grundlagen (SK),
- Mathematik und Naturwissenschaften (MN),
- Betriebs- und Wirtschaftswissenschaften (BA) und
- Informatik (CS)
Inhaltlich ist das M.Sc.-Studium auf drei Säulen aufgebaut:
- Vertiefung der Grundlagen der Mathematik und der Informatik (Die MN-Module BK und MFM und die CS-Module DIS bzw. VS)
- Vertiefung der Softwaretechnik (MSP, SAA)
- Vertiefung in einem Anwendungsgebiet (
Anwendungsdomäne
) des Software-Engineerings Die Wahlpflichtmodule des Schwerpunktes WPS1-3 und zusätzliche Wahlpflichtmodule je nach individuellem Interesse WP1-4, wobie WP3 und WP4 nicht notwendigerweise aus dem Bereich CS stammen müssen.
Hinzu kommen weiterführende allgemeine Module (PGV und ENG2) und insbesondere Module aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich (UF, VM und PQ), die speziell auf die nicht-informatikspezifischen Tätigkeiten während des Projektes und der Master-Arbeit vorbereiten. Zusätzlich haben die Studierenden bei zwei Wahlpflicht-Modulen völlige Wahlfreiheit und können Module aus dem gesamten Spektrum der Hochschule, aber auch der Universität Gießen belegen.
Die drei Säulen münden im 3. Semester in ein Entwicklungsprojekt. In diesem Entwicklungsprojekt müssen die Studierenden in realen Projekten zeigen, dass sie das bisher Erlernte wissenschaftlich fundiert in der Praxis anwenden können. In diesen Projekten ist nicht nur die Anwendung von Wissen, Methoden und Techniken der Softwaretechnik einzusetzen, sondern auch die soziale Komponente bei der Organisation einer Gruppe im Sinne der Kommunikationsfähigkeit und der Urteilsbildung zu beweisen. Die Kombination aus Wissenschaft und praktischer Anwendung im Master-Programm stellt eine Innovation dar. Durch die enge Anbindung an aktuelle Forschungsprojekte können die Studierenden ihre theoretisch-analytischen Fähigkeiten entfalten. Durch Förderung einer interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungskompetenz wird die Grundlage für eine spätere wissenschaftliche Tätigkeit gelegt.
Zu Beginn ihres Masterstudiums entscheiden sich die Studierenden für ein Thema eines Entwicklungsprojekts. Durch die betreuende Professorin oder den betreuenden Professor (Mentorin bzw. Mentor) des Entwicklungsprojekts werden die Studierenden bei der Planung des Studiums, insbesondere der Auswahl der Wahlpflicht-Module, unterstützt. Dadurch kann ein Studienplan gewählt werden, der die individuellen Vorkenntnisse berücksichtigt und damit optimal auf das gewählte Entwicklungsprojekt vorbereitet. Das anwendungsorientierte Studium soll die Studierenden dazu befähigen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu erarbeiten und sie anwendungsbezogen einzusetzen. In besonderem Maße wird beim M.Sc. Studiengang auf die wissenschaftliche Basis Wert gelegt.
Das Entwicklungsprojekt, als ein wesentlicher Schwerpunkt des Master-Programms, erlaubt den sehr intensiven und fachlich schon sehr tiefen Kontakt mit Wirtschaftsunternehmen, der durch die Master-Arbeit weiter vertieft werden soll. Das Entwicklungsprojekt macht damit den Kern des Master-Studiums aus und bildet zugleich die Grundlage für die Master-Arbeit, in der die Studierenden ihre Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten und zur Anwendung der Grundlagen auf aktuelle Problemstellungen der Entwicklung und Nutzung moderner Softwaresysteme unter Beweis stellen.
Das Entwicklungsprojekt zielt darauf ab, den Studierenden die Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Die Themenstellung wird als Entwicklungsaufgabe von einem externen Partner übernommen oder spiegelt eine praxisrelevante F&E-Aufgabe wider.
Die Studierenden sollen im Entwicklungsprojekt
- Wissen, Methoden und Techniken aus u.U. verschiedenen Teilgebieten der Informatik erweitern und vertiefen, sowie auf ein konkretes Problem anwenden,
- sich rasch und methodisch in ein Anwendungsgebiet so weit einarbeiten, dass sie den Bereichsexperten eine qualitativ hochstehende Softwarelösung bieten können,
- lernen, arbeitsteilig und organisiert nach den Methoden der Softwaretechnik vorzugehen,
- die sachlichen und organisatorischen Schwierigkeiten bewältigen, die mit Projekten verbunden sind, die zeit- und mittelgerecht erstellt werden müssen,
- ihre Kommunikationsfähigkeit und Urteilsbildung in der Auseinandersetzung mit Experten des Anwendungsgebiets schulen.
Anwendungsdomänen
Der Wahlpflichtbereich wird durch inhaltlich zusammenhängende Teilbereiche nochmals gegliedert. Im folgenden sind exemplarisch die geplanten Anwendungsdomänen aufgeführt. Zusammen mit dem Pflichtprogramm ergeben sich daraus 3 konkrete Studienpläne als Orientierung für die Studierenden.
Die Anwendungsdomänen im Master-Studiengang orientieren sich an den wissenschaftlichen Entwicklungen und werden entsprechend ausgewählt und angeboten. Mit den Vertiefungen wird der allgemeinen Informatik ein spezielles softwaremethodisches Profil gegeben.
Abb. Aufbau der Module in der Anwendungsdomäne
Folgende Anwendungsdomänen können, je nach Nachfrage und Angebot, gewählt werden:
- Business Information Systems: Betriebliche Informationssysteme mit Anwendungen im Bereich Banken, E-Handel, etc. (Nebenfächer aus den Bereichen Wirtschaft und Wirtschaftsinformatik)
- Technische Systeme: Eingebettete Systeme mit Anwendungen speziell im Bereich Robotik und (optischer) Messtechnik. (Nebenfächer aus den Ingenieurwissenschaften)
- Media Engineering: Internet-basierte Systeme mit inhaltlichen, gestalterischen und programmiertechnischen Aspekten (Nebenfächer aus dem Bereich Medien, Gestaltung, Web-Entwicklung)
Alle Anwendungsdomänen werden durch folgende Module inhaltlich definiert:
- WPS1-3, als Wahlpflichtmodule, die - aufeinander aufbauend - die spezifischen fachlichen Inhalte der Anwendungsdomäne vermitteln. Ein zusätzliches allgemeines Wahlpflichtmodul, in dem Inhalte vermittelt werden, die auch für andere Domänen von Interesse sind, rundet diese Wahlpflicht-Palette ab.
- Das Hauptseminar befasst sich inhaltlich mit Themen der Anwendungsdomäne.
- Das Entwicklungsprojekt realisiert Projekte im inhaltlichen Umfeld der Anwendungsdomäne
- Die Master-Arbeit schließt die theoretische und praktische Umsetzung softwaretechnischer Kenntnisse im Bereich der Anwendungsdomäne ab.
Anwendungsdomäne: Business Information Systems
Ziel der Anwendungsdomäne Business Information Systems ist es, die Studierenden des Masterstudiengangs vertieft in den Bereich der Entwicklung betrieblicher Informationssysteme, insbesondere von Standardsoftware-Systemen, in Theorie und Praxis anwendungsorientiert einzuführen. Die Absolventen und Absolventinnen sind somit in der Lage, in allen Phasen der Erstellung dieser Systeme (Analyse, Entwurf, Implementierung, Test, Einführung und Wartung) tätig zu werden. Hierzu gehören neben der Entwicklung neuer betrieblicher Informationssysteme auch die Anpassung und das Customizing bestehender Lösungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, im Besonderen auch von kommerzieller Standardsoftware.
Das Masterstudium mit der Vertiefungsrichtung Business Information Systems wird durch eine Masterarbeit aus dem Bereich der Wirtschaftsinformatik im 4. Semester abgeschlossen. Als Entwicklungsprojekt ist von den Studierenden im 3. Semester ein Wirtschaftsinformatikprojekt zu belegen, das von einem Wirtschaftsinformatik-Seminar begleitet wird.
Als Wahlpflichtmodule des Schwerpunktes sind in den ersten drei Semestern je ein Modul aus dem eigenständigen Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik zu wählen.
Aufgrund der entwicklungsnahen Ausrichtung des betrieblichen Vertiefungsschwerpunktes werden folgende Module empfohlen:
- Theorie und Anwendung betrieblicher Informationssysteme (1. Sem)
- Entwicklung komplexer betrieblicher Anwendungssysteme (2. Sem)
- IT-Controlling (3. Sem)
Alternativ dazu:
- Business Intelligence (1. Sem)
- Wissensmanagement ( 2. Sem)
- Datenbanktechnologische Aspekte von Informationssystemen (3. Sem)
Ergänzt werden diese Schwerpunkt-Wahlpflichtmodule durch Wahlpflichtmodule aus dem allgemeinen Informatik-Wahlpflichtkatalog.
Anwendungsdomäne: Technische Systeme
In der Anwendungsdomäne Technische Systeme ist das Ziel die Befähigung zur Entwicklung von Softwareanwendungen mit technisch-naturwissenschaftlichen Inhalten.
Typische Anwendungsfelder sind hier z.B. Robotik, Fertigungsindustrie, Automobilbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Steuerung- und Regelungstechnik, Anlagenbau, Gerätebau, Kommunikationsgeräte, Multimediageräte, Geräte der Informationstechnik usw.
Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Anwendungen für stationäre und mobile Robotersysteme und Eingebettete Systeme (Embedded Systems).
Die Studierenden sollen befähigt werden, die Aufgabe des Softwarearchitekten und des Softwareingenieurs in interdisziplinären Arbeitsgruppen aus den unterschiedlichen Ingenieur- und Naturwissenschaftsdisziplinen wahrzunehmen, d.h. die Verantwortung für den kompletten Softwareentwicklungszyklus im Rahmen einer komplexen Produktentwicklung zu tragen.
Konkret werden Kenntnisse vermittelt in den Bereichen
- Robotik und ihre mathematisch/physikalischen Grundlagen
- Eingebettete Systeme (Embedded Systems)
- Autonome Systeme
- Künstliche Intelligenz
- Mess- und Regelungstechnik
- Signalverarbeitung
- Bildverarbeitung
- Dynamik
Entsprechend dieser Inhalte ergeben sich die Domänen-Veranstaltungen:
- Schnittstellen, Protokolle und Echtzeitsysteme (1. Sem)
- Software für eingebettete Systeme (2. Sem)
- Autonome Systeme, Agenten und Künstliche Intelligenz (2. Sem)
- Robotik (3. Sem)
- Signalverarbeitung (Ergänzung als Wahlpflichtfach)
- Bildverarbeitung im Raum (Ergänzung als Wahlpflichtfach)
Anwendungsdomäne: Media Engineering
Ziel dieser Anwendungsdomäne ist die Umsetzung softwaretechnischer Methoden und Verfahren bei der Entwicklung von Web-Anwendungen mit multimedialen Inhalten. Dabei werden technische, gestalterische und inhaltliche Aspekte gleichermaßen behandelt.
Konkret werden Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt in den Bereichen:
- multimediale Grundlagen
- Medien-Design
- Umsetzung technischer Inhalte
- Realisierung und Test verteilter Web-Anwendungen
Entsprechend dieser Inhalte ergeben sich die vier Domänen-Veranstaltungen:
- Web-Media (1. Sem)
- Technikkommunikation (2. Sem)
- Web-Engineering(2. Sem)
- Web-Applications (3. Sem)
Web-Media führt in die technischen Grundlagen von Perzeptionsmedien und deren Darstellung ein. Dabei werden die theoretischen, physikalischen und technischen Grundlagen bei der Erfassung, Bearbeitung und Darstellung von Perzeptionsmedien und deren praktische Integration in eine konkrete Web-Umgebung mit Hilfe eines Content-Mangement-Systems vermittelt.
Web-Engineering erweitert die technischen Fähigkeiten innerhalb des Content-Mangement-Systems und verallgemeinert diese in Hinblick auf Web-Anwendungssysteme, wie Portale, Auktionsbörsen und E-Shops.
Begleitet wird das Modul durch Technikkommunikation. Dieses Modul vermittelt die gestalterischen Grundlagen und führt in die Strukturierung und Umsetzung technischer Inhalte durch textuelle und multimediale Mittel ein.
Schließlich vertieft das Modul Web-Applications die programmiertechnischen Inhalte um Kenntnisse im Bereich performanter, hochverfügbarer und sicherer Web-Anwendungen. Am Beispiel eines lastbalancierten Web-Clusters für ein Unternehmens-Portal werden qualitätssichernde Maßnahmen, wie Last- und Performance-Test, Fernadministrierung und SLA-Monitoring (Service-Level-Agreement) erläutert und praktisch erprobt.
Wie jede Anwendungsdomäne werden die speziellen Kenntnisse durch ein Hauptseminar, ein Entwicklungsprojekt und schließlich die Masterarbeit vertieft und praktisch umgesetzt.