Das Ziel dieser Phase ist es festzulegen, welche Aufgaben computergestützt gelöst werden sollen. Die notwendigen Maßnahmen hängen stark vom konkreten Anwendungsfall ab. Es folgen daher nur einige allgemein gültige Richtlinien zur Systematisierung dieser Phase.
Liegt keine klare Aufgabenstellung vor, muss eine Istzustandsanalyse das derzeit aktuelle (Organisations-) System, die betroffenen Betriebsabläufe und die Benutzerwüsche erfassen. Wichtig ist es, die eigentlichen Kunden, nämlich die zukünftigen Benutzer kennenzulernen. Ihre Bedürfnisse unterscheiden sich häufig von denen des Auftraggebers. Es empfiehlt sich, bei einer Istzustandsanalyse schrittweise vorzugehen:
| Analyseobjekt | Inhalt | Darstellungsmittel |
|---|---|---|
| Struktur | organisatorische Gliederung Anzahl und Qualifikation der Systembenutzer Verbindung zu anderen Systemen/Unternehmensbereichen |
Organigramme Prozessablaufdiagramme Hierarchiediagramme |
| Aufgabe | Was wird gemacht? Wer oder was führt Operationen aus? Wann und wie oft? Zu welchem Zweck? Für jede Operation: benutzte und produzierte Daten und Information, Ablauf der Operation Entscheidungsregeln? Ist die Operation automatisierbar? |
Ablaufpläne Prosa |
| Kommunikation | Form (Protokolle, telefonisch, schriftlich, mündlich) Art (synchron, asynchron, Gespräch,Konferenz, Archiveinsicht ..) Häufigkeit |
Kommunikationsmatrix |
| Dokument | Liste aller Dokumente/Protokolle, die von den Operationen verwendet oder erstellt werden: zu jedem Dokument: Bezeichnung, Inhalt, Zweck, Aufbau, Verteiler Archivierung | Verwendungsmatrix |
| Daten | Datenvolumen, Wertebereiche, Datenträger, Ordnungsstrukturen, Nummernsysteme, Sortierkriterien, Häufigkeit der Verarbeitung/Veränderung, Art und Erfordernisse der Datensicherung, Wachstum des Datenvolumens, Abhängigkeiten zwischen Daten | Prosa |
| Ablauf | Reihenfolge der Operationen, Datenfluss zwischen Operationen |
Ablaufpläne Datenflusspläne |
| Schwachstellen | Zusammenfassung der vorhergehenden Analyseschritte: Mängel, Unvollständigkeiten, Redundanzen des Systems |
Prosa |
Bis heute gibt es für diese Phase keine Techniken mit Methodencharakter, die allgemein einsetzbar sind. Der Einsatz der folgenden Techniken ist daher nur sinnvoll, wenn man Art, Größe und Zielsetzung des Projektes in Betracht zieht.
Als Stellvertreter für eine Reihe von weiteren Hilfsmitteln für die Analysephase wird hier die SA-Methode (Structured Analysis) nach DeMarco skizziert. Das untersuchte System wird beschrieben mit
Eine Modellierung eines Systems ist erst vollständig, wenn zu allen Blättern des Verfeinerungsbaums PSPECS vorliegen und jeder Datenflussname und Speichername im Datenkatalog ausreichend beschrieben ist.
In DFDs sind folgende Symbole verwendbar:
| grafisches Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| Oval | Prozess, Aktivitätsbeschreibung |
| Pfeile | Datenfluss |
| Doppelbalken | Speicher |
| Rechteck | externes System, das als Quelle oder Senke von Datenflüssen fungiert. |
Jedes Symbol wird beschriftet, Datenflüsse und Speicher werden im Datenkatalog beschrieben. Für Datenkatalogeinträge wird folgende Notation verwendet:
| Name | Zeichen | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Zusammensetzung | = | ist äquivalent zu, ist zusammengesetzt aus | Datum = Jahr + Monat + Tag |
| Verkettung | + | und (Aufzählung) | Datum = Jahr + Monat + Tag |
| Selektion | [...|...] | entweder oder (zwei oder mehr Alternativen) | Monat=["Januar"|"Februar"|...|"Dezember"] |
| Iteration | {...} 2{...} {...}6 28{...}31 |
mehrfaches Auftreten von ... mindestens 2 mal höchstens 6 mal mindestens 28 mal, höchstens 31 mal |
Text = {Zeile} |
| Option | (...) | ... kann vorhanden sein | Bestellung = Basispaket + (Zusatzausstattung) |
| Diskreter Wert | "..." | der Wert | "kein Platz frei" |
| Modifizierer | <...> | kommentierende Ergänzung zum Namen | <geprüfte>Karte |
Die Methode der essentiellen Zerlegung hat als Ausgangspunkt die Ereignistabelle, in der die für die Systemmodellierung wesentlichen Geschäftsvorfälle aufgezählt werden. Sie hat die folgende Form:
| Ereignis | Prozess | Auslöser | Reaktion(en) |
|---|---|---|---|
| Der Geschäftsvorfall wird knapp durch einen Satz beschrieben, aus der Außensicht auf das System. | Verweis auf den essentiellen Prozess des Systems, der das Ereignis behandelt, d.h. auf den angegebenen Auslöser die geforderte Reaktion erbringt. | Datenfluss, durch den das System vom Ereignis erfährt. | Datenfluss, der die vom System geforderte Information trägt. |
Die essentiellen Prozesse sind weitgehend unabhängig voneinader. Sie sind höchstens durch essentielle Speicher gekoppelt. Sie werden zumeist durch sogenannte Verwaltungsaktivitäten gefüllt. Diese gehören zu Geschäftsvorfällen, die keine außen sichtbare Reaktion zeigen, sondern dazu dienen, die von anderen essentiellen Prozessen geforderten Reaktionen vorzubereiten.
Erst unterhalb der essentiellen Ebene, d.h. in der Beschreibung eines essentiellen Prozesses werden Ablaufketten von Prozessen zur Modellierung verwendet.